Donnerstag, 30. Juli 2009

Antwerpen – DIE Metropole in Sachen Diamant.


Wie es vielleicht unschwer zu erkennen ist, hat es mich an meinem heutigen freien Tag in die mit über 470.000 Einwohnern größte Stadt der Region Flandern verschlagen. Vor jedem solchen Ausflug wird erstmal die Internettourismuspräsenz der jeweiligen Stadt auf der Suche nach besonderen Sehenswürdigkeiten und Attraktionen begutachtet. Bei Brügge war das ja alles gut und schön, eine angenehme Fülle an Informationen, man war bereit für einen Tag in der Stadt. Und Antwerpen? Ja, es spielt eine führende Rolle in der Diamantenindustrie und dem Handel. Ja, auch in Sachen Mode kann es international mitreden und mithalten. Ja, es ist die Stadt Peter Paul Rubens’. Und ja, es gibt auch ganz, ganz viele wirklich wunderschöne Kirchen und Kathedralen, und auch der historische Stadtkern ist erwähnenswert. Und sonst? Sightseeing? Irgendetwas Besonderes, außer dem großen Hafen (der mit Sicherheit zu Fuß ein Stückchen vom Zentrum entfernt liegt, und sich wahrscheinlich im Großen und Ganzen nicht bedeutend vom Hamburger Hafen unterscheidet – deshalb von vornherein gestrichen!)? Auf der Homepage zumindest nicht offensichtlich. Also wieder zum Tourismusbüro und einen hoffentlich günstigen kleinen Reiseführer erstehen.

Aber erstmal hinkommen. Wieder mit dem Regionalexpress (oder so) nach Leuven und dort mit dem Intercity weiter nach Antwerpen. Diesmal kein schöner, moderner IC, eigentlich der gleiche Zug wie der RE. Und auf der ganzen Fahrt ein kreischendes Kleinkind im Waggon, hallo freier Tag! Nach insgesamt eineinhalb Stunden Fahrt (so ein ordentlicher IC hat natürlich Verspätung!) konnte ich dann aussteigen – und war erstmal beeindruckt: Der Bahnhof Antwerpen-Centraal trägt seinen Beinamen „Eisenbahnkathedrale“ zu Recht.

Der erste Weg sollte mich zum Diamantenmuseum führen, welches neben dem Zoo direkt am Bahnhofsvorplatz, dem Koningin Astridplein, liegt. Vier Euro kostet der Spaß für Jugendliche unter sechsundzwanzig Jahren, und Handtaschen, sowie Kameras sind streeeengstens verboten! Aber einen Audioguide in der Größe eines der ersten Mobiltelefone erhält man und los kann’s gehen. Das Wichtigste zusammengefasst: Antwerpen war und ist DIE Stadt in Sachen Diamant, Ankerpunkt, Kreuzpunkt, Kontenpunkt, Antwerpen spielt die führende Rolle im Diamanthandel (und hat es schon immer getan), Antwerpen setzt Maßstäbe im Diamantdesign, Antwerpen, Antwerpen, Antwerpen, Diamant, Diamant, Diamant. Okay, ich habe es verstanden?! Nachdem die ersten fünfzehn Minuten wieder und wieder in schier unerschöpflichen neuen Formulierungen diesen wirklich interessanten Fakt präsentierten, war ich damit schon bedient. Für den genauen Abbau, die Verarbeitung und weiß-der-Geier-was hatte ich jetzt weder Lust noch Nerven, und begnügte mich für den Rest des Rundgangs mit dem Betrachten der ausgestellten Schmuckstücke – von den Diamant-Awards-Antwerpen bis hin zum American-Ganxta-Rapper-Blingbling.

Anschließend wollte ich etwas von der Stadt sehen. Die irgendwasstämmigen Taxifahrer erklärten mir in einem seltsamen Mix aus Niederländisch, Deutsch, Englisch und ihrer eigenen Sprache mehr oder weniger den Weg – und auf ging’s! Aber haha, ich kam nicht weit. Der Weg führte mich zum Meir, der wunderbaren Einkaufsstraße Antwerpens! Dort findet man alles, was das Herz begehrt, und meist in mehrfacher Ausführung.. Gute Sache! Dein Meir gemeistert zog es mich dann doch zum Grote Markt, um mich mit Stadtplan und so weiter zu versorgen, für einen Euro gab’s auch einen kleinen Stadtführer. Was auf der Homepage schon nicht steht, stand auch leider dort nicht drin, Antwerpen ist nicht sehr reich an Sehenswürdigkeiten – abgesehen von Diamant, Mode, Kirchen und Rubens. Daher bin ich einfach etwas durch die Sträßchen bis zum Flussufer gelaufen, von den schönen Ecken ein paar Fotos geschossen, dabei auch ganz brav nett fragende Touristen geknipst, und ja, was soll ich sagen… zurück zum Meir!

Der angekündigte Regen blieb den ganzen Tag über aus, die Sonne lachte und es hatte mit Sicherheit mehr als die vorausgesagten 21 Grad Celsius. Auf nichts kann man sich mehr verlassen! Aber trotzdem war’s dann doch besser so.

Ich habe vielleicht einen Fehler gemacht. Vermutlich – oder ziemlich sicher sogar – war es keine sehr gute Idee, zunächst Brügge zu besichtigen, denn diese Stadt setzt Maßstäbe, und zwar keine geringen. Damit kann das (im Vergleich) riesige, metropolitane, geschäftige und auch industriellere Antwerpen nicht konkurrieren. Es hat seine schönen Fleckchen, keine Frage, und man findet auch ganz wundervolle Hausfassaden; doch nicht so wie in Brügge.

Trotzdem hatte ich wirklich einen ganz tollen Tag und irgendwie macht es doch jedes Mal wieder aufs Neue arg stolz, wenn man sich in einer unbekannten Großstadt ganz allein und prima zurechtfindet – von einem kleinen Verlaufer mal abgesehen.

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