Dienstag, 7. Juli 2009

Ein erstes Bonjour aus Belgien!

Coucou!

So, hier ist es nun, das hoffentlich heiß ersehnte erste Lebenszeichen inklusive erstem Lagebericht nach knapp einer Woche Au Pair in Belgien!
Nachdem wir letzten Dienstag nach den üblichen Kofferkomplikationen und der Ach-nein-wo-ist-mein-Führerschein-denn-jetzt-Aktion zwar etwas verspätet, aber dennoch relativ gut in der Zeit zu Hause starten konnten, erreichten wir gegen 18 Uhr die angestrebte erste Destination auf des Lauraschen Auslandsabenteuers: Wavre, die Hauptstadt der Provinz Brabant Wallon, 35.000 Einwohner, 25km von der belgischen Hauptstadt Brüssel entfernt. Der erste Eindruck: hoffentlich fährt meine Gastfamilie keine Mega-Luxuskarossen, denn die Sträßchen und Gässchen sind hier doch oftmals (zumindest für meinen Geschmack) etwas zu eng für 2 aneinander vorbeifahrende Autos. Naja, weiter ging die Fahrt, wir verließen das Zentrum und näherten uns der Zieladresse, etwa 1,5 km vom Zentrum auf einer kleinen Erhebung gelegen. Nach der ersten Freude über das moderne, riesige Haus folgte prompt die Desillusionierung: falsche Hausnummer! Aber nicht schlimm, „mein“ Haus sieht auch ganz nett aus. Wir hielten in der Einfahrt, stiegen aus, klingelten, warteten. Die Tür öffnete sich und Alain und Vania begrüßten uns sehr herzlich. Nur wenige Augenblicke später kamen auch Grég (9), "LouLou" (6) und "LuLu" (2) zu einer stürmischen Begrüßung angesaust. Sofort wurden Mama, Papa und ich vollkommen in Beschlag genommen, immerhin galt es nun, uns das Trampolin, ein Erdhügelchen (genannt „Chateau“) und überhaupt alles zu zeigen, was den Kleinen in dem Moment von äußerst großer Bedeutung erschien. Hierbei der erste Eindruck: nunjaaaa, wirklich ordentlich, organisiert und aufgeräumt ist hier wenig, ich korrigiere: nichts. Der Garten gleicht einer einzigen Baustelle, das Wasser im Pool ist abgestanden und voller Algen, der Rasen besteht aus mehr Gestrüpp als Gras. Hinzu kam ein enormes Verständigungsproblem: das beste Französisch-Abitur versteht kein Wort dessen, was ihm hier gerade mitgeteilt werden will! Wunderherrlich! Aber wenigstens scheinen die Kids ganz lieb zu sein, und Schüchternheit oder Fremdeln scheint für alle drei ein Fremdwort zu sein! Nach einem Glas Wasser und der Unterzeichnung des Au-Pair-Vertrages machten sich Mama und Papa nach mehrmaliger Nachfragen ob ich denn jetzt wirklich immer noch hier bleiben möchte (Ja, denn ich habe mich dazu entschlossen und mich darauf gefreut!) wieder auf den Heimweg. Und hier beginnt mein Auslandsjahr als Au Pair! Jiha!
Zunächst zeigten mir Vania und Alain also alles Wichtige: mein Zimmer (in dem bis dato noch Schrank und Jalousien fehlten), die Zimmer der Kids, die Küche mit dem randvoll mit allerlei guten Sachen gefüllten Kühlschrank (Anmerkung Vanias: „Das wird jetzt für drei Tage reichen!“) und was es eben sonst noch so zu zeigen und zu erklären gibt, wenn das neue Au Pair eintrifft, inklusive einer Erläuterung des Chaos: meine Gastfamilie hatte das Haus erst vor zwei Jahren gekauft und steckt eben nun noch in den Renovierungsarbeiten. Ich kann jetzt auch sagen, dass man sieht, dass hier noch gearbeitet wird, es ist als glücklicherweise nicht von dauerhaftem Zustand. Nach dem Essen im Garten wurden die Kids zu Bett gebracht, um fein nach ihrem letzten Schultag „Dodo“ zu machen und es kehrte erst einmal etwas Ruhe ein. Diese nutzte Vania, um mir das wundervolle Sicherheitssystem der Alarmanlage mit Bewegungssensoren zu erklären, die folgendermaßen funktioniert: nachts und bei Verlassen des Hauses schaltet man den Alarm mithilfe einer kleinen Fernbedienung (von welcher ich nun auch ein Exemplar besitze) ein. Wenn sich nun etwas in dem aktivierten Bereich alarmiert, fangen alle Telefone nacheinander an zu klingeln und man muss einen bestimmten Code eingeben oder der Alarm geht direkt zur Polizei. Ich bitte euch: zählt schon jetzt den Countdown, bis ich das zum ersten Mal vergesse und unsere Freunde und Helfer vor der Tür stehen!
Da dieser Ankunftstag auch aufgrund der kurzen vorherigen Nacht sehr anstrengend war, begab ich mich dann bald in mein Zimmer unterm Dach und hatte trotz der enormen Hitze und der aufgrund der noch fehlenden Vorhänge eine erholsame Nacht, ich durfte auch ausschlafen.
Am nächsten, dem ersten Morgen hier, stand ich dann also auf, als die Eltern bereits zur Arbeit und die Kids in ihrer Ferienbetreuung waren und eigentlich sind bis jetzt alle Tage (bis auf die, an denen ich mit Alain aufstehe, um die Kids morgens fertig zu machen) mehr oder weniger so wie dieser erste Tag verlaufen. Ich kann also schön gemütlich im von der Familie hinterlassenen Frühstückstischchaos frühstücken, mit allem, was das Herz begehrt: verschiedene Frühstücksflocken, Brot, Nutella, Spekulatius-Aufstrich, Joghurt, Früchten, ach was weiß ich, eben alles! Nach Aufräumen der Küche und dem Kampf mit dem Wasserhahn schnappe ich mir ein Buch und genieße auf der Terrasse die heiße belgische Sommersonne (als es die noch gab zumindest), bis Alain gegen Mittag von der Arbeit zum Mittagessen nach Hause kommt, noch etwas am Schwimmbad oder dem Wassererhitzer arbeitet, der ständig ausfällt und alle zum Kaltduschen zwingt, dann wieder aufbricht und mich vorerst mal wieder alleine zurücklässt. Also: den Tag zur Entspannung nutzen! Gegen 16 oder 17 Uhr kommt Vania von der Arbeit nach Hause und bringt auch die Kids aus der Ferienbetreuung mit. Die drei stürmen sofort das Haus auf der Suche nach LOOOOORAAAA, bis sie mich eben im Garten oder sonstwo finden. Vorbei mit der Ruhe! Es geht sofort ans Trampolin-Springen, Puppenspielen, Baden im Plantschbecken, Bogenschießen, Boulespielen, Blödsinn reden, Schreien, Weinen und Zanken. Denn ein Nein verträgt man hier nicht so gut! Nach zwei oder drei Stunden Hardcore-Spielens geht’s dann für die Kleinen ab ins Bad zum Dreck abwaschen, was tagtäglich bitter nötig ist, anschließend wird bei schönem Wetter im Garten gegessen, bei schlechtem im Haus, und nach dem Essen ist es meistens auch schon fast Zeit fürs Bett, also hopp-hopp, noch schnell ein bisschen Terror schieben, bis dann wieder Ruhe einkehrt und ein neuer Tag beginnen kann.
Was bringt bis jetzt so Abwechslung?
* Das Schwimmbad ist fertig, juhu! Leider hat sich jetzt auch pünktlich eher schlechtes Wetter eingestellt.
* Die Nuit des Soldes: Am 1. Juli beginnt hier traditionell der Schlussverkauf, was mit einer Art Late-Night-Shopping gefeiert wird, von 18 Uhr bis Mitternacht haben dann die Geschäfte geöffnet. Die Straßen der Innenstadt sind gesperrt, überall stehen kleine Stände, es tönt Musik, die Menschen zwängen sich durch die Gässchen, es ist schön. Außerdem war das die erste Gelegenheit, das fabulöse Eis in der hiesigen Eisdiele zu probieren, ein Gedicht! Und es ist oder war Kirmes.
* „Maman? C’est quoi, une femmosexuelle?“ „Une femme homosexuelle?“ „Oui.“ Es folgt die Erklärung des Begriffs mütterlicherseits sowie der Entschluss der Tochter: „Ich werde auch mal femmosexuelle!“ Genauso: Berlin als Hauptstadt Chinas, ach nein nein, Japans natürlich!
* Des Weiteren habe ich in der vergangenen Woche auch einmal vormittags zu Fuß einen Ausflug ins Zentrum Wavres gemacht. Dazu nimmt man ein abenteuerliches, unbefestigtes, zugewuchertes Pfädchen mit gefühlten 50% Gefälle beim Hinweg bzw. Steigung beim Rückweg. Nach etwa 20 bis 30 Minuten erreicht man dann das Zentrum, wo es tatsächlich ein paar schöne Geschäftchen gibt, die auch gar nicht so teuer sind, es ist ja auch Schlussverkauf!
* Das Au Pair der Nachbarn ist auch angekommen und hat mir angeboten, dann und wann mal den Vormittag bei ihnen zu verbringen, damit ich nicht ganz so allein bin. Außerdem wollen wir Samstag unseren gemeinsamen freien Tag zu einem kleinen Ausflug nach Brüssel nutzen, juhu!
* In meinem Nachttisch habe ich ein Videoband entdeckt, betitelt mit „FILM X“. Was darauf wohl zu sehen ist? ;)
* Wir waren bei IKEA und haben einen Schrank, Teppiche, eine Kommode sowie Polster für einen Sessel gekauft, der in der nächsten Zeit noch aus irgendwelchen Beständen für mein Zimmer rausgesucht werden soll. Jetzt fehlen nur noch Vorhänge. Und ich mag mein Zimmer, wunderschön alles.
Wie ihr seht, geht es mir, abgesehen von der Einsamkeit tagsüber gut hier: die Familie bemüht sich, es mir hier so schön wie möglich zu machen und die Kleinen habe ich wirklich schon etwas ins Herz geschlossen (sie mich übrigens offensichtlich auch, denn LuLu verlangt gerne nach LOOOORAAAA, um sie morgens aus dem Bett zu heben, anzuziehen oder ihr den Stuhl beizurücken – und ohne „Bisou“ geht ja schon mal grad gar nix!). Ob ich schon richtig angekommen bin, weiß ich nicht. Ich kann zwar gar nicht glauben, dass ich erst eine Woche hier sein soll, weil alles schon eine gewisse Regelmäßigkeit und Gewohnheit hat, aber gleichzeitig fehlen doch hier die richtige Familie genau so wie die Freunde, denn Home ist nun mal where your heart is!
Also, so sieht das fabulöse der Laura in Belgien bis jetzt aus!


Bis baldo,
Lauri.

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