Dienstag, 11. August 2009

Sechs zu Zwei – Laura versus Belgien.


Ja, so sieht es aus und pünktlich zum allwöchentlichen kleinen Jubiläum auch ein neues Lebenszeichen: es geht mir gut! Dreiviertel meiner Au Pair Zeit in Belgien sind verstrichen, ein Viertel gilt es noch zu bewältigen. Mittlerweile hat sich alles ein bisschen eingespielt und ich finde, es läuft jetzt besser mit den Kindern. Grégoire verhält sich mir gegenüber nach wie vor immer korrekt und Lucie und ich haben uns – so scheint es mir – richtig liebgewonnen, nur Louise kann mit ihrem Dickkopf noch ganz gut dafür sorgen, dass ich von Zeit zu Zeit etwas wütend werde oder sogar kurz vorm Verzweifeln bin.
Ansonsten gibt es immer noch nicht viel Neues zu berichten. Wir haben selbst Eis mit Vanille- und Mokka-Geschmack fabriziert, yammi. Ich war wieder mit den Kleinen im Kino, diesmal mit Louise und Grégoire, in ICE AGE 3. Nikol ist wieder nach Hause gefahren, sodass ich jetzt endgültig absolut keinen persönlichen Kontakt zu relativ Gleichaltrigen mehr habe; die Grenzen liegen bei unter zehn und fast vierzig, da ist ein bisschen zu viel Raum zu meinen fast zwanzig Jährchen (boah, ich werd zwanzig!!).
Und obwohl ich schon fast wieder ein Jahr älter bin: was wäre Laura ohne die typischen Momente, die ihr doch, wie ich weiß, alle so sehr schätzt? Deshalb werde ich sie euch selbstverständlich nicht vorenthalten, wobei sie sich nicht so sehr häufen, wenn ich alleine bin, was mich jetzt natürlich zur Frage bewegt, ob es nicht vielleicht an euch Freunden liegt, hmmm? Aber sie bleiben ja nicht ganz aus, also trage ich wohl eine gewisse Teilschuld. Zum einen wäre da dieser gewisse Moment beim Shoppen, der nicht einmal nur ein Moment war, sondern sich über mehrere Einkaufstouren gezogen hat. Ich geh immer schön zu den Kleiderständern, -tischen und –regalen, such mir was Schönes in meiner Größe raus, gehe zuversichtlich zur Umkleidekabine... und siehe da... es passt... NICHTS! Kein einziges Teil. Alles zu klein. Denkt man sich so „Ooookay, soooo viel hab ich auch wieder nicht zugenommen“, aber die Situation wiederholt sich... wieder und wieder. Es hat mich ja verwirrt, aber ich habe mir dann keine allzu großen Gedanken mehr gemacht. Aber irgendwann bin ich dann ganz zufällig auf das Geheimnis gestoßen: Es gibt hier diverse Läden, die mit französischen Größen rechnen. Und so alternativ unsere guten Nachbarn mit Vorliebe für Wein und Baguette ja sind, müssen die Kleidergrößen ja anders sein, nämlich eine Nummer kleiner als bei uns. Wunderbar. Kann man mir das vielleicht auch mal sagen? Hätte mir etwas Frust erspart! Ooooder das allabendliche Baden der zwei Mädels. Da hast du die Zwei mal so weit, dass sie ganz freiwillig ins Badewasser steigen wollen, du drehst den Wasserhahn auf… und PLAAAATSCH, der Wasserhahn bleibt jungfräulich und das Nass kommt von oben, aus der Dusche. Tja, ich hatte es halt voll aufgedreht und wenigstens diente die klatschnasse, tropfende Laura dann zu Louises Belustigung. Jetzt könnte man ja denken, ich hätte daraus gelernt, aber nein, es ist letztens wieder passiert. Nur da waren die Reflexe besser und ich bin schneller zurück gesprungen, hihi. Und irgendwie bin ich heute Morgen mit einem geschwollenen linken Auge aufgewacht. Muss wohl ne ganz spannende Nacht gewesen sein. Wenigstens ohne Angst vor der Riesenspinne oder Satanisten-Alpträumen.
Aber meine lieben jetzigen Landesgenossen, die Belgier, haben’s ja auch nicht so ganz mit dem Normalsein. Manchmal denk ich mir in schöner Erinnerung an die Kindheit: Die spinnen, die Belgier! Da wäre zum Beispiel Jean-Pierre, unser Nachbar, der Militärfahrzeuge sammelt und öfter mal mit nem alten Krankenwagen aus den 40ern oder 50ern rumfährt. Tatütata! (Eigentlich ohne Sirene, aber das passte grad so schön.) Oder ein anderer Nachbar, der immer mit seinem Hubschrauber die Lüfte durchkreuzt. Und wo’s bei uns an jeder Ecke Rostwurst im halben oder Doppelweck gibt, gibt’s hier eben gegrillte Schnecken – oder was auch immer man damit anstellt. Außerdem wäre es ja langweilig, wenn man hier das so schön erlernte Schulfranzösisch sprechen würde! Nein, Handtücher sind keine serviettes, sondern essuis, siebzig und neunzig heißen nicht soixante-dix und quatre-vingt-dix, sondern septante und nonante, das Meerscheinchen ist kein cochon d’Inde, sondern ein cobbyae und es gibt noch viel mehr, was mir jetzt so hopplahopp selbstverständlich nicht einfällt! Des Weiteren heißt die Katze Fifi, es gibt hier offensichtlich Bier mit Alles-Geschmack und natürlich sorgt das Niederländisch für die ein oder andere kleine Belustigung zwischendurch, zum Beispiel wenn an den Häusern dick und fett „TE HUUR. HOREMANS“ steht. Hihihi, ganz schön direkt. Nein, es heißt „Zu Vermieten“ oder „Zu Verkaufen“.
Ja, was steht jetzt noch so an? Donnerstag werde ich versuchen, nach Gent zu fahren, damit wäre der Go Pass voll und das vorgenommene Pensum erfüllt. Vielleicht geht es am Wochenende noch mit Grég in einen Hochseilgarten und die Woche drauf noch nach Löwen und Brüssel – aber das hängt momentan noch stark von der Motivation, Müdigkeit und dem Wetter ab.
Wer's noch nicht gesehen hat: ihr dürft jetzt wild drauf los kommentieren - wenn ihr es euch traut öffentlich hier im Blog und wenn nicht, wisst ihr ja, wie ihr mich auch so erreicht.
War ja doch wieder ein ganz schön langer Post für die wenigen Neuigkeiten. Also, entspannt wie ich Fingerchen und Äuglein, ich halte euch auf dem Laufenden.

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