Zack, Zack, freier Tag, Täschchen gepackt, auf geht’s nach Gent!
Der Tag fing schon ganz lustig im IC an, als der Monsieur Kartenkontrolleur meinen Go Pass, der für Leute bis sechsundzwanzig (Ich bin neunzehn!) gilt, gesehen und mich anschließend nach meinem Ausweis gefragt hat. Bisschen bizarr, hier werd ich für fast schon dreißig gehalten, zu Hause muss ich im Blau jedes Mal nachweisen, dass ich schon achtzehn bin.
Ich hatte heute Morgen, noch bevor ich losgefahren bin, nach dem Wetterbericht geschaut. Es war gemeldet: Sonne und Wolken. Tatsache war: es regnete. Und ich hatte keinen Schirm dabei. Ein ganz wundervoller Start. Dann habe ich mich mit Müh und Not im Straßenbahnensystem orientiert, um vom Bahnhof Sint-Pieters in die Innenstadt zu gelangen, weil sich meine Begeisterung für einen dreißigminütigen Spaziergang im Regen dann doch in Grenzen hielt. Irgendwann (es hat wirklich, wirklich lange gedauert) hatte ich dann den Korenmarkt erreichte – zumindest mehr oder weniger, weil ungefähr das halbe historische Zentrum zwecks Bauarbeiten aufgerissen wurde. Daher erster Eindruck: überall Bauzäune, Absperrband, Maschinenlärm, Straßenbahnschienen, Regen. War dann nicht sooo toll, also habe ich mich zuerst mal auf die Suche nach einem Schirm begeben, nein nicht den im Outdoorgeschäft für fünfunddreißig Euro, sondern nach endloser Sucherei im Ein-Euro-Shop oder so einen billigen gefunden. Und siehe da, kaum verlasse ich das Geschäft, hört es auf zu regnen. Später sagt die Sonne dann noch fein Hallo, sodass ich den Scheiß-Schirm nicht einmal geöffnet habe!!
Naja, ein bisschen Optimismus hervorkramen und auf geht’s zum Tourismusbüro, um einen günstigen handlichen Stadtführer zu erstehen. Gibt’s aber nicht, nur ein DinA4-Heft und einen Stadtplan, dafür wenigstens kostenlos. Jetzt also auf zum Sightseeing! Gent hat wirklich ein paar schöne Fleckchen, mit dem Kanal, den Brücken, den historischen Häuserfassaden, ein kleines bisschen wie Brügge. Ich bin einfach ein wenig durch die Innenstadt geschlendert, habe mir dies und das angesehen und natürlich fleißig Beweisfotos geschossen, zum Mittagessen gab’s Pommes und dann entschloss ich mich noch zu einem Besuch des Design Museums, ich hatte ja Zeit. Weil Belgien in einigen Punkten coooooler als Deutschland ist, gibt’s hier immer Tarife für Menschen von neunzehn bis sechsundzwanzig, sodass ich sage und schreibe einen Euro Eintritt zahlen musste. Und es war schön, wirklich interessante Sachen ausgestellt; von Rokoko über Bauhaus hin zu Stühlen, Keramik und Silberzeug, der eine Euro war wahrlich gut investiert!
Danach wieder raus in die Stadt, Sightseeing, Postkarten kaufen und noch zum europäischen Markt am Kouter, wo jedes Land einen oder mehrere Ständchen hatte, wo dann mehr oder weniger landestypische Waren verkauft wurden; Frankreich hatte Crêpes im Angebot, Finnland Plüschhuskies und Strickjacken, irgendwer verlaufte Käse und Wurst, Deutschland war mit seltsamen Lederwaren, Moselwein und Pizza vertreten und -wer auf dem europäischen Markt ja nicht fehlen darf – Thailand verkaufte komische Bildchen. Aber war schön gemacht, Jetzt hatte ich noch eine halbe Stunde bis zur Abfahrt des Zuges, also zur Tramhaltestelle, durchgefragt, bis ich die richtige Nummer raushatte, eingestiegen, schon gefühlt, dass das jetzt wieder knapp wird, am (mutmaßlichen) Gerichtsgebäude die Garffity-Aufschrift und Klimax (Deutsch-LK, yeah!) „Stairway to hell, to justice, to Europe“ irgendwie bemerkenswert gefunden, um 16:20 Uhr am Bahnhof angekommen, zum Gleis gehetzt und gleichzeitig mit dem Zug um 16:24 Uhr angekommen. Dann sitzt du so im Zug, weißt, dass dein Anschluss um 17:33 Uhr losfährt, es wird 17:20 Uhr, 17:25 Uhr, 17:30 Uhr, Leuven ist noch nicht in Sicht. Das wird dann wohl nichts, ne. Um 17:36 Uhr hatten wir es dann bis nach Leuven geschafft, ich hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben, sah dann aber doch am Gleis nach – und der Zug war noch da!! Also Beine in die Hand nehmen und auf geht’s! Die hier freundlichen (!) Schaffner, Zugbegleiter oder was auch immer haben mich dann ansprinten sehen, in ihre Walky-Talkys irgendwas mit „Mademoiselle“ und „Attendre“ befohlen, ich habe die letzten Meter bis zum Zug bewältigt und kaum war ich drin, pfeift der Monsieur an und der Zug rollt los. DAS nenne ich Service!
Nach zweimal dem Zug hinterher Rennen und dem Berg danach verabschiede ich mich nun, wie so oft, mit der Feststellung meiner Müdigkeit!




Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen