Freitag, 12. November 2010

"Ey - where's the crowd?!" - "In the fucking queue!"

Danke, Ally Pally, für ein so wundervolles Konzert. Und schäm dich, Ally Pally, für deine Lage, deine Größe und deine saumäßig Organisation. Was ein Abend. Statt Laternen, Zuckerbrezel und Martinsfeuer gab’s für Kristina und mich am Mittwoch die volle Ladung Adrenalin, Hot Chip & LCD Soundsystem. Wundervoll… fast. Wäre da nicht zuallererst das Zugproblem gewesen. Die Bahn hat nämlich einfach nicht an unserem Zielbahnhof gehalten, sodass wir (aufgrund mangelnder Ortskenntnisse) erst zwei Bahnhöfe später aussteigen konnten – saubere Aktion: irgendwo im nördlichsten Norden Londons ohne Anschluss an jegliche Zivilisation gestrandet. Zu genau der Zeit, zu der Hot Chip schon hätten spielen sollen. Juhu. Mit den anderen Gestrandeten haben wir uns dann nach 15 Minuten in der Kälte das erstbeste Taxi gekrallt. Absolutes Highlight: ich steige ein, will so weit durchrutschen, wie’s geht, merke nicht, dass der Taxifahrer auf der anderen Seite die Tür geöffnet hat und rutsche ihm quasi in die Arme. Großer Lacher. Der gute Inder hat dann aber auch wirklich sein bestes gegeben und uns so schnell wie möglich zum Alexandra Palace („Ally Pally“) gebracht, wo wir uns dann anstellen durften. Geschätzte 2km lang. Aber wir Deutschen sind ja nicht dumm. Stichwort: aktives Anstellen! Ein paar böse Blicke gab’s zwar – aber hey – wir konnten schon Hot Chips Bass durchs Fenster wummern hören. Da ist wohl jedes Mittel recht. Nach weiterem gefühltem endlosem Anstehen (trotz des Überspringens von ca zwei Drittel der Schlange!) hatten wir’s dann in die heiligen Hallen geschafft – und – oh mein Gott – das ist riiiiiesig. Egal, sofort zur Haupthalle und noch so viel wie möglich von Hot Chip sehen, aaaaah. Soooooo gut! Danach haben wir uns den Luxus der Dixi-Klos gegönnt, weil – wie könnte es anders sein – die Schlange vorm Mädchenklo wieder ca 1km lang war. Echt, ey. Nachdem wir dann Kristinas Australier ausfindig gemacht hatten, konnten wir uns auch schon wieder halbwegs nach vorne quetschen, um so richtig zu LCD Soundsystem zu feiern, yeah. Wirklich ein fantastisches Konzert – nur leider ne SCHEISS Organisation. Danach haben wir uns von den Australiern noch überreden lassen,’ne kleine Afterparty zu starten und sind dabei in der letzten Bar in Clapham geendet, die noch aufhatte. Und wir können es wirklich schwer leugnen, dass wir da unseren Spaß hatten. Zusammenfassendes Zitat: „Oh, yeah, limbo! No… wait… I’m not playing… she’s gonna win anyway!“

Und Dienstag habe ich mir spontan das Konzert von Tokyo Police Club im Schwulenclub gegönnt – war auch ganz toll. I LOVE LONDON.

Und die Uni mag ich auch ganz gern. Mittlerweile hat alles richtig angefangen – die Vorlesungen, Seminare und Tutorials (in denen wir in 10/12er Gruppen den Stoff der Vorlesungen wieder durchgehen und die Tutoren einen einfach aufrufen, uah!) laufen mehr oder weniger und bald sind auch die ersten Hausarbeiten fällig. Im Moment haben wir eine Woche Reading Week, d.h. vorlesungsfrei, um Versäumnisse nachzuarbeiten. Nach erster Komplettüberforderung finde ich die meisten Fächer ganz interessant (Ausnahme: Property, uaaaah). Und die Leute sind super! :)

Aaaaaaußerdem.. Halloween! Die unbeschreibliche UCL Law Society hatte für uns Jura Studenten am Sonntag vorm eigentlichen Halloween eine Party organisiert, in einem Club in Ostlondon. Das Motto „Disney after Dark“. Mein Kostüm: Zombiefee, oder so. Die Party: gut, auch wenn mein Law Dad außer Kontrolle geraten ist :D Der Heimweg: interessant. In meinem „kinky fairy“ Kostüm bin ich einmal quer durchs asoziale Ostlondon geirrt, auf der Suche nach einem Nachtbus. Dabei hab ich – wie sollte es auch anders sein – noch zwei Londoner getroffen, die erstma auf Deutsch (mit dem besten britischen Akzent EVER) meinten, ich soll meine Mama anrufen und sagen „Mutter, schick mir Geld. Tooting ist eine Scheißeloch, ich kann nicht mehr in Tooting wohnen. Ich brauche eine neue Wohnung.“ Jo, ist klar. Und so schlimm ist Tooting auch gar nicht. Nachdem ich dann den Bus gefunden hatte, durfte ich die Blicke ertragen. YESSSS. „Have you been to a Halloween party?“ – „Eeeeeeh, well… no, this is what I look like ALL THE TIME!” Haha.

Am eigentlichen Halloween Wochenende haben die Gasteltern mich gebeten, mit den Kindern mit dem Zug nach Hook zur Oma zu fahren, wo an dem Samstag Abend eine kleine Halloween Party auf einem netten Feld voller Kuhfladen stattfand. Es war eisig kalt, ich habe keine Gummistiefel, die Leute waren entweder 5 oder 50, aber es gab ein Riesenfeuer, Feuerwerk, Burger und Wein. Also okaaaaay. Und seitdem sind die Gasteltern ganz schön dankbar, höhöhö.

Aufgrund der MASSIVEN Umbauarbeiten an ‚unserem’ Haus, haben wir seit Wochen eine provisorische Küche im Playroom, dessen Teppich jetzt schon mit allerlei Lebensmittelflecken ‚verschönert’ ist. Mein Beitrag waren Tomatensauce und Himbeeren :D (Kommentar vom Gastvater zu den Himbeeren: Räums einfach schnell wieder ein, bevor es jemand sieht…) Ein weiterer Nebeneffekt der Bauarbeiten ist die Tatsache, dass wir statt 3 Badezimmern jetzt zu fünft eins nutzen. Das bringt vor allem morgens Spaß, Spaß, Spaß. Besonders lustig wird’s, wenn’s kein warmes, kein kaltes oder gar kein Wasser gibt. Wundervoll. Aber immerhin habe ich neue rumänische Bauarbeiterfreunde gefunden, die mich immer schon freundlich grüßen, wenn ich das Haus verlasse oder zurückkomme. Ist ja auch was, oder? Und dadurch, dass wir einfach weniger Platz haben, rücken wir auch irgendwie alle näher zusammen. Gute Sache :) Auch wenn der weg zur Uni ziemlich weit ist, bin ich der Meinung, es war eine gute Entscheidung, bei der Familie zu bleiben. Im Moment läuft grad alles super.

Und heute in einer Woche geht’s auch schon wieder zurück zu euch Lieben für ein Wochenende. Wir sehen uns am I M P R E S S I O N  M U S I C A L E ♥ Riesen-Vorfreude. In der Zwischenzeit werde ich mir die Zeit mit dem Contract und Property Essay, der Vorbereitung auf die Tutorials, dem Lesen für die Vorlesungen, Bügeln, Feuerwerk der Lord Mayor’s Show, Scheißwetter, Babysitten, einem London Eye Champagne Flight (uuuuuh) und hoffentlich halbwegs lustigen Tubefahrten vertreiben. Bis bald.

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