Sonntag, 3. Oktober 2010

Freshers' I

Das ist er also, der Ernst des Lebens. Hahaha, schön wär’s! Für den Scheiß hab ich noch ne gute Woche Zeit, denn Leute, es ist Freshers’ Fortnight! Bis jetzt standen auf dem Programm:
-          Sonntag, Campus Tour mit Frage-Antwort-Stunde und Pub-Quiz: ganz, ganz vorsichtig erste Kontakte knüpfen, und, weil man mal wieder aus Versehen beim Komitee der Law Society versackt ist, mit Insider-Geschichten aus den vergangen Jahren versorgt werden.
-          Montag, Pub-Crawl: die Tottenham Court Road stürmen, in jedem Pub auf dem Weg haltmachen, Burlington Bertie alle Ehre machen, sich mit Beerbongs vergnügen und ein klein bisschen Angst bekommen, weil 100 Meter von uns entfernt jemand abgestochen wurde. Aber keine Sorge, solange wir keiner Gang beitreten, sollten wir sicher sein, meinten die Älteren.
-          Dienstag, Rollschuhdisco: ja, okay, es ist ganz okaaay, aber im Grunde schnallt man sich bloß Rollschuhe an die Füße und fährt zu Retro-Musik im Kreis. Und damit hat sich die Sache dann so ziemlich.
-          Mittwoch, Meet the Parents: ja, genau, die Eltern kennenlernen. Wir Freshers wurden nämlich alle in kleine Familien eingeteilt, mit Eltern aus dem zweiten Jahr. Jetzt hab ich Mama, Papa und drei Geschwister. Schön. Mama macht sich auch in guter alter Manier immer fein Sorgen um uns. Das Bowling am Abend musste für mich leider wegen schlimmer Erkältung ausfallen, aber Mann, die sahen am nächsten Morgen echt alle ziemlich fertig aus, was wohl an der ‚Open Bar’ gelegen hat.
-          Donnerstag, Clubbing: aber für mich ging’s zu den wundervollen Jungs von MGMT. Ein ganz fantastisches Konzert war das, alle Vorfreude hat sich gelohnt, das eBay-Ticket war echt und der Veranstaltungsort war großartig: der gesamte Innenraum ist einem römischen Forum nachempfunden, mit falschen Säulen, unechten Bäumen und so weiter. Dazu ist die Decke mit schwarzem Stoff abgehängt, sodass im ersten Moment tatsächlich der Eindruck entsteht, man befände sich draußen. Ich habe wirklich kurz überlegt, haha. Außerdem war ich alleine in Assi-Brixton und wurde nicht überfallen – anschauliche Leistung! Und MGMT sind Götter, muss man hier auch mal sagen!
-          Freitag, Paintball: jo, Jungsspiel, aber eigentlich hats doch voll Spaß gemacht, ein bisschen Krieg zu spielen und sich in einer ehemaligen Warenhalle hinter Sandsäcken und in Schützengräben zu verstecken und das gegnerische Team abzuballern. Keine Ahnung, ob ich getroffen habe, aber es war bei weitem nicht so schlimm wie gedacht. Leider ist am Ende ein Singapurer von Team Schwarz in unsere Reihen eingedrungen und hat mich übelst abgeschossen: zweimal ins Gesicht und einmal ind ei Hüfte. Der hat gar nicht mehr aufgehört! Meine Hand war längst oben und ich am Boden, aber aufgehört hat er erst auf meine Rufe „Stop it! Stop! Stop! Pleeeeeeeeeeeease!“ Assi. Danach hieß es früh ins Bett und sich für Samstag ‚ausschlafen’.
-          Samstag, Fahrt nach Frankreich: Treffpunkt 5.30am in Euston = 3 Uhr aufstehen für mich. Dresscode Schuluniform = viele verwirrte und tadelnde Blicke im Nachtbus. Um 6 Uhr fingen im Bus die Trinkspiele à la Pass the Parcel (mit Sahnespielchen, Zimtschlucken, Was-steht-mit-Edding-auf-meiner-Stirn und so weiter) an, von Dover ging’s mit der Fähre nach Calais und erste Amtshandlung in Frankreich: Supermarkt ‚überfallen’. 100 alkoholisierte UCL Jura Studenten stürmen den Hypermarché mit den Parolen „Let’s go fucking mental“ und good old Burlington Bertie. Dabei wurden unter den Blicken schockierter Franzosen Baguettes an die Decke geschossen, Rennen im Einkaufswagen gefahren, die Fleischtheke mit Babystramplern bestückt, Blumen in fremden Einkaufswägelchen verteilt, Schaufensterpuppen mit auf eine kleine Reise durch die Regale genommen und so weiter und so fort, bis wir alle einzeln persönlich vom Sicherheitspersonal hinausgeleitet wurden :D EPIC, kann ich da nur sagen. Lustig war’s. Dann wieder in den Bus und weiter nach Boulogne, wo wir für ganze fünf Stunden quasi festsaßen. Und leider gibt es da wirklich nicht viel zu tun. Aber mit Miriam an meiner Seite war’s doch’n ganz „schöner“ Tag. Auf dem Heinweg hatten die Engländer natürlich immer noch nicht genug und haben weitergetrunken und „Never have I ever…“ gespielt. Das Zuhören war auch lustig :D Als wir gegen 11pm wieder in Euston ankamen, war tatsächlich jeder, wie angekündigt, „completely destroyed“. Aber ich würde mich ärgern, wär ich nicht dabei gewesen.
-          Und heute wäre eigentlich ein Spaziergang durch Camden geplant gewesen, der aber wegen Weltuntergang leider ausfallen musste. Ich wäre sowieso nicht gegangen, sondern hab mich mal etwas mit Unistoff befasst.
Denn JA, Uni hat quasi angefangen, wenn auch nur der Einführungskurs „Introduction to Law and Legal Methods“. Die erste Vorlesung war der Oooooohje-in-was-bin-ich-denn-da-geraten-Moment, als uns unzählige Male versichert wurde, wie gut wir doch sind, dass wir es ins UCL geschafft haben, dass sich auf den Platz, auf dem wir jetzt sitzen, mindestens 30 bis 40 andere Leute mit gleichen Qualifikationen beworben haben und dann der Stoff auch noch so schwierig war, dass ich kurz vor der Kapitulation stand. Aber die folgenden Einführungskursvorlesungen waren dafür umso besser – man könnte FAST spannend sagen. Ja, doch, es gefällt. Morgen fangen die „richtigen“ Vorlesungen an, insgesamt hab ich fünf Fächer: Property, Contract, Public Law, Criminal Law und European Legal Studies / German. Ich bin gespannt.
Was vielleicht auch noch ganz interessant ist, ist die Statistik, dass von 150 Law Freshers 50 Engländer sind, ebenso wie ca. 50 Leute aus Hong Kong und Singapur. Und der Rest verteilt sich auf die übrige Welt. Fast ein bunter Mix, nur eben sehr viele Asiaten, die in de Vorlesungen schön in die Tasten ihrer MacBooks hauen. Streber.
Nette Ubahn-Erlebnisse gab’s auch wieder: der DJ, der neben mir seine Musik gemixt hat und total abging, die drei SM-Fans, die mich in kompletter Montur quasi umzingelt haben und einmal Passenger Emergency Alert, weil wohl jemand in der Tür eingeklemmt wurde oder so. So werden mir die 30 Minuten Ubahnfahrt zumindest nie langweilig.
In freudiger Erwartung des zweiten Teils der UCL Law Freshers’ Fortnight zum Abschluss noch einmal Burlington Bertie, unsere inoffizielle Hymne (die sich gegen den Erzrivalen King’s College London richtet, die der Legende zufolge, unserem Jeremy Bentham, dessen Skelett im UCL ausgestellt ist, den Kopf geklaut haben sollen):
I’m Burlington Bertie,
I’m short, fat and dirty,
my college portrays my high class – high class!
I walk down the Strand
with my cock in my hand
and I wave it at King’s as I pass.
Oh Bert, Bert,
I come in my shirt,
at least I go to UC – UC!
There’s one thing I’m sure of
Strand Poly are wankers.
I’m Burlington Bert from UC – UC!
That’s me, and him, and her and him, and him and her
APPLAUS.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen