Montag, 3. Mai 2010

Oh my!

Es ist schon Mai. Acht Monate und zwei Tage London bis jetzt und es wird und wird einfach nicht langweilig.
Zuerst: Ostern. Das Osterwochenende war ein sehr entspanntes. Karfreitag und Ostermontag sind Bank Holidays, d.h. Feiertage und folglich auch für mich frei, wuhu. Ganz rebellisch und ein bisschen unchristlich gabs in Multi-Kulti-London auch zum Karfreitag Fleisch und danach noch Kino, mit DEM neuen Superhelden, KICK-ASS! Mein absoluter Favorit. Samstag widmeten wir uns ganz traditionell britisch dem jährlichen Bootsrennen Oxford gegen Cambridge auf der Themse zwischen Putney Bridge und Chiswick Bridge. Mit Bier, Keksen und Oxford-Hoodie ausgerüstet hieß es eineinhalb Stunden an der Barnes Bridge auf die Boote warten, die dann in wenigen Sekunden vorbeizischten; Sieger 2010 ist Cambridge. Somit kann das auch dieses Ereignis von der Liste abgehakt werden. Ostersonntag wurde die Abwesenheit der Gastfamilien schamlos mit einem absoluten Nichtstun-Tag ausgenutzt, um abends für das Osterspecial Londons monatlicher Indie-Party „Buttoned Down“ frisch und ausgeruht zu sein. Und die war ebenfalls sehr, sehr gut, mit Helena, Valerie und Bernadette lässt es sich ganz prima feiern!
Nach Laras Geburtstag am darauffolgenden Mittwoch ging es – tadadadaaaa – für einen kleinen Urlaub nach Hause. Was ich da so getrieben habe, wisst ihr ja, und ich möchte anmerken: es war ganz wunderbar! Es gilt eben doch immer noch „Home is nunma where your heart is“ (Kettcar). Tja, dann hatte ich mich schon so weit verabschiedet und wollte wieder zurück nach London... und dann… Vulkanausbruch in Island. Merde. Ryanair streicht alle Flüge bis auf weiteres, Flugverbot über großen Teilen des europäischen Luftraums, trotz strahlend blauem Himmel verhindert die Vulkanaschewolke jeglichen Luftverkehr. Also noch eine unfreiwillige aber nicht ganz unwillkommene Verlängerung der Auszeit, bis ich einen Fährenplatz für Dienstag, den 20. April, ergattert hatte. Und da fing der Spaß erst an. Furchtbar früh morgens hat mich mein herzensguter Papa fünf Stunden lang nach Calais gefahren, von wo dann meine Fähre von P&O Ferries (die so ziemlich als einzige noch Fußpassagiere annahmen) Richtung Dover auslief. Erstmal möchte ich anmerken, dass ich irgendwie der Überzeugung war: großes Schiff -> wenig Schaukeln. Absoluter Fehlschluss. Fast die Treppe runtergefallen bin ich! Aber ich kann nun auch mit Sicherheit sagen, dass ich nicht so leicht seekrank werde. Dann sollte die Fähre um 12.55 Uhr in Dover sein, um 14.05 Uhr hatte ich den Zug nach London Victoria gebucht. Okay, cool, dass ich erst um 13.45 Uhr den Fährhafen Dover verlassen habe. Das bedeutete: nach dem Bus gucken ist reine Zeitverschwendung, sofort zum Taxistand, „Wie lange und wie teuer zum Bahnhof?“ – „5 Minuten, 7 Pfund.“ – „Fahren Sie mich da hin – so schnell sie können!“, klassische Filmsituation, was? Bei jeder roten Ampel hab ich mehr Nerven verloren, erst recht beim Anblick der Schlange vorm Automaten, an dem ich die Tickets drucken musste. Als ich mein Ticket in den Händen hielt, war es 13.59 Uhr. Zum richtigen Gleis bin ich gerannt, hab mir des öfteren den Koffer ans Schienbein gehauen und… habe den Zug tatsächlich noch bekommen. Aber kaum saß ich zwei Minuten und war wieder halbwegs zu Atem gekommen, fuhr er auch schon los. Was ein Stress, was ein Tag. Bei meiner Gastfamilie erwarteten mich eine bügelnde Gastmutter (oha!), ein fertiges Abendessen und zwei über die deutsche Schokolade hochauf erfreute Kinder. Mit Schulbeginn am Tag darauf ging auch der Alltag wieder los.
Und dann wartete das Kate Nash Konzert, auf das ich Wochen, Monate, Jahre gewartet und mich wirklich, wirklich, wirklich gefreut habe. Support war Brigitte Aphrodite... und… die Gute hat leider mehr Stimmung verbreitet als Frau Nash. Bei der galt: außer drei Liedern nur Sachen vom neuen Album (was ganze drei Tage zuvor erschienen war, wouh), keine Verbindung zum Publikum, keine Stimmung im Publikum und sehr sympathisch war sie mir auch nicht. Ich würde es fast als langweilig bezeichnen. Vom vielen Stehen taten mir die Füße weh…, hallo? Schade drum.
Am ersten post-Vulkan-Wochenende gings dann am Kanal entlang zu Little Venice, mit den schönen Booten überall am Ufer entlang. Eben ein kleines bisschen wie Venedig (auch wenn ich da ja noch nicht war, hähä). Der Rest des Wochenendes stand unter einem schwedischen Stern: zunächst Samstagnachmittag schwedisches Brennball („Brännboll“) im Clapham Common, mit Bier, Cider, Picknick und schwedischen Volksliedern bis zum Nachteinbruch. Und Sonntag, am Tag des London Marathon, nahm ich mit Kajsa, Johanna und Sannah das Boot vom Embankment Pier nach Greenwich. Wegen des Marathons waren in Greenwich noch die Straßen für den normalen Verkehr gesperrt. Alles war ganz ruhig, und schön, und sonnig, und grün, und irgendwie fühlte es sich so gar nicht mehr wie London an. Markt und Park begeisterten uns und zum Abschluss des Tages stiegen wir noch zum Royal Observatory hinauf, wo auch der berühmte Nullmeridian verläuft und die GMT festgelegt ist. Die Ausstellung über Zeit und Uhren und Zeitmessung ist wirklich interessant, wenn auch etwas eigen und sogar ein wenig unheimlich. Für den Rückweg entschieden wir uns für die DLR (so was wie ein Mittelding zwischen Ubahn und Zug?), worüber meine Reiseführer immer die Frontsitze anpreisen. Gesagt, getan und weil die DLR vorne Scheiben hat, kann man die Schienen und Gebäude zu beiden Seiten sehen und fühlt sich fast wie in der Achterbahn. Guter Tipp, Reiseführer! Und nach Greenwich fahr ich bestimmt noch mal.
Und ja, auch dieses Wochenende hab ich wieder was erlebt, und zwar ist das Stichwort CAMDEN CRWAL, ein Musikfestival in Londons Stadtteil Camden mit größtenteils Newcomerbands, verteilt auf verschiedene Veranstaltungsorte wie Bars, Pubs und Clubs. Nachdem och zunächst etwas enttäuscht war, kaum eine Band zu kennen, hat es sich im Nachhinein doch gelohnt. Die erste Aufregung war die Bekanntgabe des genauen Line-Ups, was ein strengstens gehütetes Geheimnis war. Also erst Plan abholen, sortieren, markieren, vorläufigen Plan austüfteln mit genügend Alternativen im Falle eines überfüllte Veranstaltungsortes. Das Tagesprogramm war etwas unübersichtlich, aber der kostenlose Nähkurs hat es uns wahrlich angetan. Mit Hilfe der netten Damen von Craftacular konnten Minni und ich unsere eigenen Stoffumhängetaschen an der Nähmaschine (!) nähen, sowie eine Tasche selbst bedrucken. Und hey – Surprise, Surprise – sie sehen echt gut aus und wir mussten nichts dafür bezahlen! Eine außergewöhnliche, aber tolle Idee, den Festivalbesuchern die Zeit zu vertreiben! Zum Musikalischen: Absolute Helden des Wochenendes waren Art Vs. Science, New Young Pony Club, Crystal Fighters und Midnight Juggernauts. Mann, gingen die ab! Zwischendurch hieß es immer wieder Bandplan analysieren, Ort aufsuchen, Schlange einschätzen und sich gegebenenfalls für eine Alternative entscheiden. Ich finde, wir sind mit unserer Bandauswahl prima gefahren, ich kann mich an keine wirklich enttäuschende Vorstellung erinnern. Schade, dass The Drums, The Sunshine Underground, Chew Lips und General Fiasco heillos überlaufen waren, aber die zweite Wahl war auch nie schlecht. Und die kleinen Extravorstellungen in Pubs oder Läden waren eine willkommene Abwechslung. Einziger Minuspunkt: Regen und Kälte, brrrr, ungemütliche Kombination, die die Openair-Bühne nicht gerade zum Vergnügen machten. Ebenso wenig das Warten auf den Nachtbus. Aber da hatten wir noch einwandfreie Unterhaltung von zwei betrunkenen Karaoke-Freunden. Rekonstruktion: „Oh, wofür ist denn der Ausweis?“ – „Camden Crawl.“ – „Habt ihr Jamie Woon gesehen?“ – „Nein.“ – „Aaaaah, wie könnt ihr?!“ 15 Minuten später… genau die gleiche Unterhaltung. Erneute 15 Minuten später… wieder. Bis der Gute ankündigt, jetzt Jamie Woon anzurufen. Ich halte das ganz skeptisch ja für nen Scherz und bestehe drauf, dass wir das wirklich machen. Und wir tun es. Weil er ein Schulfreund von Jamie Woon ist. Da durfte ich Jamie dann übers Telefon mitteilen, wie leid es mir doch tut, seinen Auftritt verpasst zu haben. Aber ich hab ihm versprochen, beim nächsten Konzert vorbeizuschauen. Ich meine, er hat sich gefreut. Nachtbusse sind manchmal wirklich was Feines.
Und wo wir gerade bei Kälte sind.. Die Temperaturen sind einfach mal von einem auf den anderen Tag, begleitet von einem halben Weltuntergang allererster Güte, um gefühlte zehn Grad gefallen! Was hätte ich heute für meine Winterjacke gegeben... Das Frühlings- und Sommerwetter war doch so schön, ich will wieder mehr davon! Es ist kein Februar, ja?
Es grüßt, verfroren aber glücklich, Laura mit dem Haustier in der Plastiktüte.

1 Kommentar:

laura hat gesagt…

moaaah, das hört sich doch alles super an!!!
wann kommstu eigtl wieder?
am 17. juli ist hier ein nettes festival mit ja, panik, dúné, sounds, bonaparte, tocotronic, notwist & maximo park.
komm mit wenn du da bist!! das ist ein befehl!! :D:D
liebste grüße <3

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