Montag, 18. Januar 2010

Oh. Oh. Oh.



Okay, ich war mal wieder busy. Also wirklich. Dieses London ist ganz schön fordernd. Und jetzt noch in Kombination mit Hey-ich-hab-mich-irgendwie-doch-eingelebt und dem – zugegebenermaßen jetzt herzlich weit entfernten vorweihnachtlichem Geschenke- und die-letzten-Wochen-im-Jahr-noch-einmal-voll-nutzen-Stress… Eine explosive Mischung. Eine tödliche Kombination. Zumindest für den durchschnittlichen Blogger. Yai. Aber: hier bin ich wieder. Zurück aus Deutschland, zurück von zu Hause, zurück in London, zurück im Glück. Zumindest ist es wirklich überhaupt nicht schlimm, wieder hier zu sein. Es geht mir trotz Erkältung wunderbar.
Und so nachlässig, wie es scheint, bin ich eben doch nicht. Es existiert nämlcih zumindest der Anfang eines Advent-Blogeintrages. Und den will ich euch nicht vorenthalten. Augen zu. Anschnallen. Die Zeitreise beginnt.

Advent in London. Wie hat man sich doch vorher auf die Vorweihnachtszeit in der Großstadt gefreut. Und – wie sieht’s jetzt aus?
- Weihnachtsbeleuchtung in den Straßen – check!
- Winterkälte – check!
- gute, deutsche Weihnachtsmärkte – check!
- Glühwein – check!
- die halbe Weltbevölkerung am Wochenende auf Geschenkejagd – check!
- Plätzchen – check!
- Adventskalender – check!
Was mir zum absoluten Vorweihnachtsglück jetzt bloß noch fehlt, wäre der Schnee, den ich mit aber nicht einmal wünschen muss – London ist im Winter einfach ein stürmisches, kaltes und verregnetes Drecksloch. (Sorry, London, ich wusste es vorher und mag dich trotzdem noch! Eigentlich tu ich dir grad sogar furchtbar unrecht, weil du ich heute von deiner besten spätherbstlich-sonnigen Seite zeigst, my dear, es tut mir leid.) Aber Sonne hin oder her, obwohl es hier laut Thermometer nicht k-k-k-k-k-k-kalt ist, fühlt es sich viel kälter an als zu Hause – zehn Grad Celsius in London sind wohl doch etwas anderes als zehn Grad Celsius im Saarland. Und bevor ich jetzt heute in zwei Wochen schon zu Hause sitzen und der Landidylle (hust) ausgesetzt sein werde, will ich fürs Erste noch möglichst viel von hier mitnehmen. Und aufs Zurückkommen freue ich mich irgendwie auch schon wieder. Es ist eben doch das, was ich so gerne wollte! Im Moment habe ich sogar das Gefühl, dass es richtig gut läuft – ich fühl mich fast dazugehörig und auf eine bestimmte Art und Weise einfach wohl im Hause Davis. Meine herzallerliebste Lara  wirkte auch ein klein wenig traurig, als ich ihr gestehen musste, weder Christmas Eve noch Christmas Day mit ihnen zu feiern. Das hat mich dann fast auch etwas traurig gemacht. Aber eben nur FAST, ha haaaa! Denn es wird auch mal schön, nicht am Wochenende um halb neun von Karaoke geweckt zu werden, im Fernseher nur noch Hannah Montana, iCarly oder Jonas zu schauen, nicht mit „(Hairy) Chicken“ angeredet zu werden und so weiter und so fort – ja, etwas Urlaub davon klingt schon gut.

Und, wieder zurück in die Zukunft. Nicht ganz, erst die Gegenwart. Ja, die Zeit zu Hause, mit all den Lieben, war wirklich wundervoll! Eine Auszeit, wie sie fast besser nicht hätte sein können. Und irgendwo habe ich wohl diese Zeit wohl auch gebraucht, um wieder zurückzufinden zu dem, was ich will. Um wieder dem näher zu kommen, was ich wollte. Au Pair in London. Ja. Es fühlt sich wieder gut und richtig an und ich genieße es wieder. Ich bin in London. Innerlicher Jubel.
Und was wäre London ohne seine kleinen Macken? In Heathrow diente das Kofferband für zwei Flüge (und mein Koffer war dabei, euer Glück, Lufthansa), der Eingang zur Ubahn forderte fast eine halbe Umrundung der Erde, schon wieder fühlen sich 0°C kälter an als -15°C, ein bisschen Minischnee verursacht Verkehrschaos und der bisherige Gipfel und mein persönlicher Höhepunkt des Londoner Winters: Wir lassen den Schnee auf unseren Gehwegen liegen! Bis er zu Eis wird! Räumen? Nein! Streusalz? Offenbar uncool! Eine ganze Woche hatte ich eine kostenlose Eislaufbahn, direkt vor der Tür. Nur leider keine Schlittschuhe, was ein paar blaue Flecken hinterließ und jetzt noch Käfererinnerungen weckt – ja, danke Minni, Martha und Helena! Aber selten hab ich so gelacht.
Was habt ihr sonst so verpasst? Wir konnten uns endlich zum Sightseeing motivieren, um Beweisbilder für unsere Zeit in London zu besitzen. Wir haben Herrn Ballack und dem FC Chelsea Stadion einen Besuch abgestattet (nein, kein Spiel, Geschenke aus dem Megastore für unsere Jungen). Wir haben einen Kulturtag eingelegt, mit Tate Britain, Turner-Ausstellung, Bootsfahrt zur Tate Modern, Pop Life – Art In A Material World, Mensch, sind wir gebildet. Wir haben den Schlussverkauf bei Mango genossen und etwas Weihnachtsgeld verjubelt. Wir waren feiern und ich kann es wirklich nur als „legend-... wait for it... and I hope you're not lactose intolerant because the second half of that word is DAIRY!“ beschreiben. Und selbstverständlich ist und bleibt Sonntag unser allerliebster Kinotag, die neuen Empfehlungen lauten: „A Serious Man“. „The Informant“. „Nowhere Boy“ <3 „Sex & Drugs & Rock’n’Roll“. „Up in the Air“. Alles sehr sehenswert. Wir scheinen ein gutes Händchen bei der Filmauswahl zu haben.
Und auch Konzertneuigkeiten gibt es! Die Karten für Babyshambles sind bestellt – und JA, der gute Pete wird auftauchen, weil ich ihn sonst im Gefängnis um die Ecke verpetzten werde, wo er ja schon eingesessen hat, hach. Easy as that!
Und wo wir so schön bei Neuigkeiten sind, habe ich auch noch welche – mein Leben erscheint aufregend! Und zwar ein Schulwechsel! Neue Schule, neuer Ort, neue Leute… und alles super! Nichtmehr Advanced, sondern jetzt bin ich reif für das Cambridge Certificate of Proficiency in English, was mir – bei Bestehen - quasi Muttersprachlerniveau bestätigt.
Hach. Es könnte fast nicht besser sein, ein Kurs mit deutschen und schwedischen Au Pairs, plus ein Russe (Lara: Weeeeeeeirdo!“). Coffeeing mit den Mädels, Diskussion über Astrid Lindgren, bei denen man schockiert feststellen muss, dass Michel in Schweden Emil und Knäckebrot Knäckebrot heißt, und Feiern auf Schwedisch zählen gerade zu meinen neuen Hobbies. (Ist das jetzt mal ein begeisterter Eintrag oder nicht?!)
Ihr seht, gerade läuft es wunderbar hier, ich freue mich auf Gines Besuch in weniger als zwei Wochen, es geht mir gut – I’m literally having a jolly good time. Und den kommenden sechs Monaten blicke ich vorfreudig und mehr als positiv entgegen. London, yeah.

„Tag für Tag,
laufen die Bänder
Vorwärts, vorwärts, vorwärts,
vorwärts die Zeit.

Das ist das Ende.
Und ab jetzt ist es so wie immer,
so wie immer,
vorwärts die Zeit.

Das, das, das,
das ist unsere Zeit.
Die Zeit leuchtet.
Lass sie leuchten.“

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