Nein, soweit ist unsere innige Beziehung nun doch noch nicht gewachsen. Wir stecken noch in der Hollywood-Star-macht-am-roten-Teppich-ein-Foto-mit-einem-zwischen-Profiautogrammjägern-eingequetschten-Mädchen-Phase. Und irgendwie habe ich wenig Hoffnung, dass wir es jemals über diese Phase hinweg schaffen werden. Aber ein Erlebnis war es trotzdem! Meine erste London Filmpremiere auf dem Leicester Square inklusive großem Menschenauflauf, Staraufgebot, rotem Teppich, Kameras, Security und was eben dazu gehört. Und wir sind spontan mal wieder mittendrin! Sonntag, 31. Januar 2010, 17.30 Uhr (oder so). Odeon Leicester Square, London Filmpremiere zu „Invictus“. Erst stehen wir dreißig Minuten da, ohne dass sich etwas regt, und dann geht auf einmal alles ganz schnell „Ladies and Gentlemen, make some noise for Mister Morgan Freeman / Mister Matt Damon / Mister Clint Eastwood!“ Ja, auf alle drei konnte ich einen Blick erhaschen, aber während die beiden älteren Herren einfach schnurstracks zum Interview bei den Kameras marschiert sind, hat sich „Maaaaaaatt! Maaaaaatt! Maaaaaaaaaaaaaaaatt!“ herzlich viel Zeit fürs Händeschütteln mit den Fans, Unterschreiben von Autogrammen und Fotographieren mit den tollen Mädchen genommen. Und nach meinem werten Befinden hat sich der Gute erkundigt. Hach, wunderbares London und seine Erlebnisse.
Und auch der Rest des Wochenendes war ganz wundervoll, mit endlich wieder Besuch aus good old Germany – von der lieben Gine! Die kennt jetzt auch die eisige Kälte in Londons Häusern und Parks, den Camden Market, die deutsche Botschaft (dank Pass-Verlustes :D), den neuen besten Pub/Club in der Nähe, sowie das Billigshoppingparadies Primark! Viel unterwegs gewesen, viel aufgeholt, viel Spaß gehabt, viel erlebt. Schön, schön, schön, schön. Ich bin gerne bereit, wieder deutsche Schneeflüchtlinge aufzunehmen – vorausgesetzt IHR lasst dann das gute Wetter, das ihr mitbringt, auch da!
Obwohl dieses Wochenende der kulturelle Aspekt aufgrund akuter Einkaufslust etwas gelitten hat, kommt er doch auch immer noch nicht zu kurz. Nach den hervorragenden Kritiken und Auszeichnungen auf den Filmfestivals in London und Cannes, läuft „A Prophet (Un Prophète)“ jetzt auch in den normalen englischen Kinos – nur wie. „Digitale Vorführung“ bedeutet offensichtlich „Originalton mit englischen Untertiteln“. Okay, kann ja kein Mensch wissen! Aber glücklicherweise war’s Französisch und es ging auch fast ohne die Untertitel. Ich verspüre ein gewisses Stolzgefühl. Außerdem haben wir uns wieder an die Last-Minute-Musical-Tickets gewagt und sind eines trüben, nasskalten Sonntagnachmittages der Realität in die bunte Welt von „Hairspray“ entflohen. Für 24,50 Pfund, auf dem Grand Circle: bunt, schrill, lustig. Jeden Pence wert! Der einzige Haken: der kleine Chinesenjunge neben mir, der entweder mitgesungen oder seinen Papa um Erklärungen zum Stück gebeten hat, sowie die lauten Mädchen hinter uns. Aber nunja, so ist das eben. Kann sich ja nicht jeder so gut benehmen wie wir und lediglich eine Flasche Fanta hineinschmuggeln. Musikalisch werde ich Donnerstag meinem Freund Adam Green einen Besuch abstatten und mir hoffentlich wieder seine lustigen Versuche, seine Jacke anzuziehen, ansehen. Diese Unternehmung fällt sogar in die Kategorie Neujahrsvorsätze, die unter anderem lauten, mir mehr Konzerte anzusehen und wieder öfter etwas mit Martina zu unternehmen. Wunderbar. Und in zwei Wochen erwartet mich Pete Doherty mit den Babyshambles. Ich hoffe nur, der Gute hält sich vorerst von Polizei- und Drogenärger so weit wie eben möglich fern, denn wenn Herr D. nicht auftaucht, werde ich ihn im Gefängnis um die Ecke für irgendwas verpetzten. Da hat er auch schon mal eingesessen. Ha. Ha. Ha. Mein absoluter Ernst.




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